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Hormonmangel nach schweren Kopfverletzungen
Hormonelle Störungen nach Schädel-Hirn-Trauma oder Subarachnoidalblutung
Schwere Kopfverletzungen und bestimmte Blutungen im Gehirn, sogenannte Subarachnoidalblutungen, können zu Störungen des Hormonsystems führen. Diese Hormonstörungen werden jedoch bei den meisten Patienten erst sehr spät erkannt. Das liegt daran, dass die entsprechenden Krankheitssymptome allgemeiner Natur sind. Selten bringt man Zyklusstörungen, Nervosität, Depressionen, Gewichtszu- oder -abnahme, Nachlassen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, Osteoporose oder Kopfschmerzen in Zusammenhang mit Hormonstörungen. Und dies schon gar nicht nach einer vorausgegangenen schweren Kopfverletzung.
In Folge einer schweren Kopfverletzung oder einer Gehirnblutung kann es passieren, dass die Hormonsteuerungszentrale Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) nicht mehr oder nur noch teilweise funktioniert. Fachleute sprechen dann von einer Hypophyseninsuffizienz (Insuffizienz = Schwäche). Dies kann zu zahlreichen Störungen im Hormonhaushalt führen, weil die Hypophyse regulierende Aufgaben für den gesamten Hormonhaushalt übernimmt. Sie sendet entweder selbst Hormone aus, die bestimmte Stoffwechselvorgänge verstärken oder verringern, oder sie schickt Botenstoffe zu bestimmten Drüsen, die dann Hormone freisetzen.
Häufigkeit hormoneller Störungen nach Schädel-Hirn-Trauma oder Subarachnoidalblutung
Hormonelle Störungen durch Hypophysenausfall nach schweren Kopfverletzungen oder Gehirnblutungen treten häufiger auf, als bislang angenommen, so die Bilanz aktueller Studien. Dem derzeitigen Datenmaterial zufolge fallen bei bis zu 40 % der Patienten nach Schädel-Hirn-Verletzungen eines oder mehrere Hypophysenhormone aus. Je schwerer die Verletzung, desto stärker das Ausmaß der Hormonstörungen – allerdings sind auch bei leichteren Verletzungen Störungen der Hormonbildung nicht auszuschließen.
In diesen Fällen war die Bildung der Nebennierenrindenhormone und der Schilddrüsenhormone beeinträchtigt. Bei später diagnostizierten Hormonstörungen wurden als häufigste Symptome bei den Frauen Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit, bei Männern Potenzstörungen beobachtet.
Diagnose der Hormonausfälle
Liegt ein Verdacht auf eine Störung der Hypophysenfunktion vor, sollte eine ausführliche Untersuchung bei einem Hormonspezialisten, einem Endokrinologen, erfolgen.
Durch Blutentnahmen und durch die Durchführung spezieller Tests, die einfach und gefahrlos durchgeführt werden können, lässt sich feststellen, ob alle Hormone der Hypophyse normal produziert werden oder ob ein Mangel bestimmter Hormone vorliegt.
Gute Therapieaussichten mit der Hormonersatztherapie
Mittels der Hormonersatztherapie kann man Hormonmangelzustände, die durch völligen oder teilweisen Hypophysenausfall entstehen, in den meisten Fällen gut behandeln. Nach schweren Kopfverletzungen ist von besonderer Bedeutung, dass eine solche Behandlung durchaus auch positive Auswirkungen auf den Verlauf der Rehabilitation haben kann.
Prinzip der Behandlung ist, dass das fehlende Hormon von außen zugeführt wird. Ob dies als Tablette, Nasenspray, Pflaster (Wirkstoff ist eingearbeitet, Aufnahme erfolgt über die Haut) oder Injektion geschieht, hängt von der Herstellung und Gewinnung des jeweiligen Ersatzhormons ab. Die meisten Symptome und Beschwerden bilden sich unter der Behandlung wieder zurück. Voraussetzung ist natürlich, dass die Medikamente in der richtigen Dosis regelmäßig und kontinuierlich verabreicht werden.
Bei Prolaktinüberschuss setzt man Substanzen ein, welche die Freisetzung des Hormons hemmen.
Die Behandlung muss immer individuell entsprechend der erhobenen Befunde und abhängig von den vorliegenden Beschwerden vom Hormonspezialisten (Endokrinologen) eingeleitet und überwacht werden.