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Verhalten der Umwelt und seelische Auswirkungen des Kleinwuchses

Kleinwuchs kann eine erhebliche Belastung für Eltern und Kind darstellen. Oft fällt das nachlassende Wachstum erst im Alter von 2–3 Jahren auf. Die Eltern möchten dann Informationen einholen. Sie werden den Kleinwuchs diskutieren und versuchen, die Tatsache zu verarbeiten, offenbar kein „normales“ Kind zu haben. Sie suchen andere Eltern mit dem gleichen Schicksal, z.B. in Selbsthilfegruppen.

Wie reagiert die Umwelt?

Häufig müssen die Eltern und später auch die kleinwüchsigen Kinder die Bemerkungen und Hänseleien der Umwelt überstehen, z.B. von Verwandten und Bekannten, die es oft an Feingefühl fehlen lassen. Erwachsene, aber auch Altersgenossen haben eine Neigung, die „Kleinen“ nach ihrer Körpergröße oder ihrem Gesichtsausdruck zu beurteilen und zu behandeln. Dies gilt besonders für Kinder mit Wachstumshormonmangel mit ihrem runden, jung bis „puppenhaft“ wirkenden Gesicht und ihren zierlichen Händen und Füßen. Auch ausbleibende oder verspätete Pubertätszeichen können für Teenager eine wesentliche Rolle spielen.

Eltern und die übrige Umwelt verhätscheln ein kleineres Kind leicht. Sie behandeln es als niedliches Baby, trauen ihm nicht die altersgemäßen Leistungen zu, und bald wird das Kind beginnen, sich diesem angenehmen Umfeld in seinem Benehmen anzupassen. Besonders wenn das Bewusstsein einer chronischen Erkrankung hinzukommt, verstärkt sich dieser Teufelskreis. Das Kind erwirbt nicht die altersentsprechenden sozialen Fähigkeiten. Es entwickelt nicht das notwendige Selbstwertgefühl. Es wird zu sehr abhängig von seiner Umwelt. Es zieht sich von seinen Altersgenossen zurück, wird isoliert und verfällt in Depression. Stille, in sich gekehrte Kinder werden leicht übersehen. Sie sind so angenehm unauffällig, und ihre seelischen Probleme, ihr sehr persönliches Unglück werden nicht beachtet.

Worauf sollten die Eltern achten?

Den kleinwüchsigen Kindern fällt ihr Anderssein meist im Kindergarten zum ersten Mal auf. Fragen kommen und müssen kindgerecht, aber ehrlich beantwortet werden. Schon jetzt sollten die Eltern zusammen mit den Kindergärtnerinnen darauf achten, dass die räumliche Umwelt des Kindes gegebenenfalls angepasst wird, damit sich eine ganz normale Spiel- und Konfliktwelt entwickeln kann, in der das Kind ganz normale Verhaltensweisen und Umgangsformen mit seinen Spielkameraden lernt und ausübt. Nur so wird es langsam zu einem selbständigen Menschen.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Einschulung?

Zur Schulzeit sollte das kleinwüchsige Kind nicht zurückgestellt werden, wenn seine geistige und soziale Entwicklung altersgemäß ist. Man sollte daran denken, wie wichtig es ist, dass das Kind mit seinen Alters- und Spielkameraden aus dem Kindergarten und dem sonstigen sozialen Umfeld zusammen die Schulzeit beginnt.

Psychologische Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder im Einschulungsalter meinen, sie seien so klein und anders, weil sie ungehorsam waren oder weil ihre Familie nichts dagegen unternimmt. Angesichts der normal großen Schulkameraden können sich jetzt und später Depressionen und andere seelische Fehlhaltungen wie Aggressivität entwickeln.

„Anderssein“ in der Schulzeit

Oft merken die Eltern erst zu spät, wie unglücklich ihre Kinder sind, weil sie ihnen von sich aus nichts von ihren Problemen erzählen. Auch die Lehrer und die Freunde verstehen häufig den Zusammenhang zwischen der kleinen Körpergröße und der Vorstellung des Andersseins nicht ganz und reagieren falsch und überschießend.

Sowohl jetzt als auch später ist es sehr wichtig, mit dem Kind klar und verständlich über seine Körpergröße und die Möglichkeiten der Untersuchung und eventuell der Behandlung zu sprechen. Dies sollte öfter geschehen, weil eine längere Periode notwendig sein kann, die innere Krise zu überwinden und das „Anderssein“ an die richtige Stelle im Selbstverständnis zu rücken.

Was ist die beste Reaktion auf Hänseleien?

Hänseleien und andere Belästigungen werden am besten überstanden, wenn die Persönlichkeit gut entwickelt ist und die oft sehr belastenden Situationen mit Humor, Witz und Intelligenz überspielt werden. Oft sind die Übeltäter seelisch unsicherer als die „Kleinen“. Hier können Erläuterungen des betroffenen Kindes gegenüber seiner Umwelt sehr hilfreich sein. Sie setzen natürlich voraus, dass das Kind richtig und ausführlich informiert wurde und sich zu seiner eigenen Zufriedenheit mit sich auseinandergesetzt hat.